Editorial zum Schwerpunkt Kinderfragen
Als Kind hatte ich unzählige Fragen über Gott und den Glauben. Ich erinnere mich noch gut, wie ich einmal fragte: «Wo wohnt Gott?» Darauf erhielt ich die Antwort: «Überall.» Das konnte ich damals nicht verstehen. Wie kann jemand überall sein, und warum sieht man ihn dann nicht? Wenn er mich hört, warum antwortet er mir nicht? Später in der Sonntagsschule hörte ich von Wundern, aber mein kindlicher Verstand wollte Beweise. «Warum sieht man heute keine Wunder mehr?» fragte ich dort. «Vielleicht, weil wir sie nicht mehr als solche erkennen», erhielt ich als Antwort.
Besonders verwirrte mich die Vorstellung vom Himmel. «Wie sieht er aus?» fragte ich. Meistens war nur ein stummes Lächeln die Antwort. «Gibt es dort Tiere? Können Verstorbene uns sehen?» Ich bekam keine klaren Antworten, doch meine Fragen blieben. Auch die Frage nach dem Leid beschäftigte mich früh. «Wenn Gott gut ist, warum gibt es dann Schmerzen und Unglück?» Jürg Unholz, damals Pfarrer von Schwanden und Vater meines Freundes Markus, antwortete mir: «Manches bleibt ein Geheimnis.» Doch als Kind wollte ich keine Geheimnisse – ich wollte es wissen!
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