News von der Glarner reformierten Landeskirche

Denkpause

von Johannes Geitz
min
15.02.2025
Während meinen über 30 Jahren im Informatiker-Beruf habe ich lernen müssen, dass kaum ein von mir geschaffenes Programm perfekt war. Vielmehr waren sie alle in ihrer Funktion eingeschränkt und zeigten damit, dass auch ich als ihr Autor limitiert bin.

Niemals wäre ich auf die Idee gekommen, dass meine Software eigenständig lernen kann, Hindernisse zu überwinden. Sobald das Programm auf eine Situation stiess, die nicht erwartet wurde, brach es die Aufgabe mit solch wunderbar klaren Fehlermeldungen wie „exception TOO_MANY_ROWS“ ab.

Mit derlei Unvollkommenheiten ist auch in KI-Zeiten noch nicht Schluss. Eine künstliche Intelligenz lernt im Wesentlichen durch die Erkennung von Mustern. Sie denkt nicht eigenständig, sondern nur in den Bahnen, die man ihr beigebracht hat. Die KI würde im Beispiel also beim gleichen Fehler landen, allerdings würde sie versuchen, diese Fehlermeldung in einer Datenbank zu finden. Dann würde sie versuchen, die dort gefundene Lösung anzuwenden. Das wiederum könnte den Fehler beheben, oder aber ein sinnloses Ergebnis produzieren. Vielleicht würde die KI die richtige Lösung einsetzen – das wissen wir aber nicht. Wir wissen nur, dass die KI auch das lernen könnte. Und so geht es immer einen Schritt weiter mit der Evolution von Computerprogrammen.

Beim Schweizer Militär haben bekanntlich mehrere Software-Projekte zurzeit grosse Schwierigkeiten – so gibt es eine jahrelange Verzögerung bei der Luftraumüberwachung C2AIR (SkyView), oder ein vorläufiges Scheitern bei der neuen Logistik-Software auf SAP-Basis.
Worauf ich hinaus will? Nun – die Qualität jeder KI und jeder Software steht und fällt mit der Qualität des vernunftbegabten Wesens, das dahinter steht – also z.B. mit mir als Programmierer.

In der Natur ist Gott dieses vernunftbegabte Wesen. Nur, wenn das menschliche Gehirn „aus der Feder“ einer höheren Vernunft stammt, können wir vom „homo sapiens sapiens“ sprechen, und leider passt die Bezeichnung „sapiens“ auch dann nicht immer. Wissenschaftler, die an Gott als Schöpfer glauben, nennen ihre Theorie „intelligent design“ – wer nicht an Gott glaubt, kommt nicht umhin, an die Evolutionstheorie zu glauben.

Ich für meinen Teil glaube, dass wir noch viel lernen müssen, und zusätzlich die Demut haben sollten, in Wirtschaft und Gesellschaft „Grips“ beim grossen Baumeister zu erbitten.

„Wenn jemand Weisheit mangelt, der bitte von Gott!“ (Die Bibel, Jakobusbrief Kapitel 1, Vers 5)

Pfarrer Johannes Geitz, Mollis, publiziert am 15.2.2025 in den Glarner Nachrichten

Bild: Zahlenwirbel pixabay

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