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Politik

#denkpause

Frieden

23.01.2023
Gedanken über den Frieden, während 1000km weiter in der Ukraine die demokratischen Werte verteidigt werden, darüber schreibt Pfarrerin Dagmar Doll. Der Text ist bereits am 21. Januar 2023 in den Glarner Nachrichten erschienen.

Von Pfarrerin Dagmar Doll, Glarus 

Fragt man gekrönte Schönheitsköniginnen, was sie sich wünschen, sagen sie meistens Weltfrieden und klimpern dabei mit ihren künstlichen Wimpern. Was uns ein Lachen abringt, hat in Bezug auf 2022 durchaus an Relevanz gewonnen. Fast auf den Tag genau vor einem Jahr genau überfielen russische Soldaten die Ukraine. Seitdem verlieren Menschen ihr Zuhause durch Bomben, sitzen in kalten U-Bahnschächten oder sind auf der Flucht vor Tod, Gewalt und Hoffnungslosigkeit. Bald schauen wir auf ein Jahr zurück, das geprägt war von Flucht, Krieg und Terror mitten in Europa, gefühlt bis vor unsere Haustüre. Und wer dachte, das Ganze sei schnell erledigt, der wird spätestens am Jahrestag eines Besseren belehrt. Das prägt das persönliche Hoffen und Sehnen der Menschen – hier wie dort. Eine Umfrage unter Jugendlichen der Religionsklasse erstaunt in dem Fall nicht. Drei Wünsche sollten sie aufschreiben, und zwar solche, die wir nicht kaufen können. Weltfrieden stand an erster Stelle. „Kein Krieg“, schreibt ein Mädchen, „Keinen Terror, keine Gewalt“, ein Knabe. „Ich möchte, dass mehr Geld in arme Länder investiert wird als ins Militär und in Waffen.“, so ein Jugendlicher.  Die Sorge um den Frieden macht eben auch nicht vor Jugendlichen halt, merken sie doch auch, dass Bedrohungen näher rücken.

Schutz suchen
Die Medien und die sozialen Netzwerke zeigen ungeschönt die Realität. Menschen auf der Flucht oder eine gelbe Küche, die nach einem Bombenangriff nur noch halb zu sehen ist, die Obstschale noch auf dem Tisch. Das berührt unser Herz. Das alles macht so unendlich betroffen und man möchte schreien, so traurig ist das. „Ich tröste euch, wie eine Mutter euch tröstet“, setzt Gott dagegen. Nachdem das „Frieden auf Erden“ der Weihnachtsgeschichte verklungen ist, bedarf es nun des Trostes. Manches Mal tut es gut, in seiner eigenen Hilflosigkeit Schutz zu suchen, offene Arme und Trost. Und vielleicht geht das manchmal nur bei Gott. Wie eine Mutter, bedingungslos und vorurteilsfrei nimmt uns Gott in die Arme. Dabei öffnet er unseren Horizont über das Familiäre hinaus. Gottes mütterlicher Trost knüpft Beziehungen über Grenzen hinweg und hält gerade zu denen Kontakt, die allein oder fremd sind; so gewinnt er auch eine politische Dimension: Er macht uns Mut, Verantwortung auch für die fernen Nächsten zu übernehmen, Grenzen zu überschreiten und Versöhnung zu fördern.

Weitsicht und Weltsicht
Der Vers aus Jesaja 66 führt uns Gottes Trost vor Augen, der wie ein Strom der Liebe uns als einzelne und die Welt erfüllt. So stärkt er uns in unserem Glauben und in unserer Verantwortung. Die Jugendlichen haben mich beeindruckt mit ihrer Weitsicht und ihrer Weltsicht. Und doch fand ich es auch befreiend, dass so manche ein wenig an sich dachten. Ich wünsche eine gute Lehre und dass ich besser in der Schule werde und dass ich mit meiner Familie so weiterleben kann, wie bisher. In unserem freien und friedlichen Land darf es das eben geben. Eine ganz normale Kindheit und Jugend. Und das ist gut, denn es mag unsere Herzen und Sinne öffnen für die, die in Unfrieden leben. 


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